Beswingte Lebensfreude

Mitreißendes Konzert zum 40-jährigen Bestehen der TC Big Band in der Aula des Haßlocher Gymnasiums

Von Anke Wanger

 

Hassloch. Große Spielfreude legten der musikalische Leiter und Posaunist Paul Schütt und
die TC Big Band beim Jubiläumskonzert zum 40-jährigen Bestehen im Hannah-Arendt-Gymnasium
an den Tag.

Den über 300 Gästen boten sie ein bestens arrangiertes Programm aus der Zeit des Swing mit Blues- und Souleinlagen sowie Jazzstandards. Daneben begeisterten Gastsängerin Nicole Metzger, ihre Schülerin und langjährige Sängerin der TC Big Band, Angelika Rothert, sowie Bandmanager Gerd Wolff das Publikum.Zeit für Rückblicke gab es, allerdings nicht wehmütiger Natur, sondern voller Herz und mit „beswingter“ Lebensfreude. Saxophonist Rainer Dietz war der Erste, der außer dem Saxophon auch seine Klarinette hervorholte. „Let’s dance“ meinte er wie Benny Goodman in den 1930er Jahren und ließ die Töne tanzen. Leicht, luftig und perlend gelang der musikalische Jubiläumssekt. Begleitet von zwischenklatschenden „Fanclubs“, überzeugten Musiker und Solisten durch präzises, engagiertes Spiel im typischen Big-Band-Sound. Langjährige Wegbegleiter aus 40 Jahren Orchesterzeit wie Tenorsaxophonist und Ehrenmitglied Heini Kellner schauten vorbei, um ihren aktiven Kollegen Beifall zu zollen für einen Abend, dessen Programm rund, bunt und voller Sound war.

Dirigent Paul Schütt moderierte, dirigierte und spielte selbst die Posaune, was er unter anderem auch schon bei Rias Berlin und in den Orchestern von Max Greger, Dieter Reith und mit Paul Kuhn getan hatte. Dass Musik jung hält, zeigte auch Saxophonist Ernst Burger bei dem Evergreen „Stranger on the shore“ von Acker Bilk aus dem Jahr 1961, den er mit seinen über 80 Lebensjahren – an diesem Abend nicht der Einzige – schwungvoll auf seiner Klarinette mit Bandbegleitung interpretierte. Big Band und Solisten wurden zur Einheit, instrumental wie auch stimmlich.

Nicole Metzger und Angelika Rothert, die tolle Auftritte mit enormer Bühnenpräsenz und viel Herzblut hinlegte und ihrer Lehrerin in nichts nachstand, lieferten sich eine stürmische Battle mit Paul Schütt an der Posaune zu „I don’t mean a thing, if it ain’t got that swing“. Der Song wurde 1931 von Duke Ellington komponiert und unter anderem von der legendären Ella Fitzgerald gesungen. Er ließ viel Raum für ausgefeilte Stimmspiele ohne Worte, den die beiden Sängerinnen ausgiebig nutzten, um zu zeigen, „dass alles bedeutungslos bleibt, wenn es nicht swingt“.

Die beiden präsentierten sich auch einzeln. Metzger landete beispielsweise versiert mit großer stimmlicher Bandbreite den Hit „I can’t stand the rain“ bei ihrem Publikum. Rothert zeigte sich sanft jazzig bei „Moondance“ und entspannt kraftvoll bei „The look of love“. Ihr ganzes Auftreten war jede Minute beeindruckend dynamisch.

Sehr gut kam auch Wolff an, der sich mit viel Gefühl an den Country-Ohrwurm „Green, green grass of home“ wagte, dem seine samtene, eingängige Stimme die nötige Tragik eines Mannes verlieh, der von seinem Zuhause träumt, aber doch eigentlich in der Todeszelle wartet. Auch mit seinem „Blueberry Hill“ begeisterte der Mann mit dem Hütchen seine Gäste

Immer wieder gab Schütt den versierten Musikern in seiner mehr als zwanzigköpfigen Band wie dem Saxofonisten Klaus Brick, dem Pianisten Klaus Hammelmann oder dem Trompeter Hartmut Ofer* und weiteren die Chance zu mitreißenden Soli. „In the mood“ durfte zum Abschluss nicht fehlen.

Noch einmal wuchs Rothert in dem von Otis Redding geschriebenen Song „Respect“ nach der bekannten Version von Aretha Franklin mit ihrer starken Soulstimme über sich hinaus – sogar in Pfälzisch energisch röhrend: „Isch will Reschpekt vun dir, wonn du mer hääm kummscht“.

Nach den Zugaben machte sich ein zufriedenes Publikum auf den Heimweg.

Anmerkung:
*wurde vom WebSite-Verantwortlichen geändert, da die Rheinpfalz hier offensichtlich nicht richtig recherchiert hatte.

Quelle:  Die Rheinpfalz  - Mittelhaardter Rundschau - Nr. 266
Datum: Montag 16.11.2015

 

 

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